Resilienz: Wecke die Resilienz Heldin in dir!

 

 

Wie du dein psychisches Immunsystem stärkst und Herausforderungen in Familie & Beruf mit Leichtigkeit meisterst.

 

 

Josephine Hartwich

Alle Rechte vorbehalten.

 

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Inhalt

 

Heldin des Alltags werden – sieben heldenhafte Fähigkeiten der Resilienz

Etwas Theorie zum Einstieg und besseren Verständnis von Resilienz

Resilienz – Was ist damit gemeint?

Wie wirkt Resilienz?

Wie entsteht Resilienz

Welche Fähigkeiten können dich zur resilience-woman machen?

Besonderheiten der weiblichen Resilienz

Kritik und Grenzen von Resilienz

Stress – Was damit gemeint ist, wie er entsteht und welche Folge er hat

Das transaktionale Stressmodell von Richard Lazarus

Die Stressampel nach Gerd Kaluza

Folgen von Stress

Frauen und affektive Störungen

Was du aus dem ersten Kapitel mitnehmen kannst

Fähigkeiten für Alltagsheldinnen – Was macht dich zur Resilience-woman?

Die Fähigkeit ... sich Hilfe zu suchen

Soziale Unterstützung wahrnehmen und annehmen

Experimentiere und entwickle die Fähigkeit ... soziale Unterstützung anzunehmen

Visualisiere dein Netzwerk

Kommuniziere deine Bedürfnisse

Strukturiere deine Gedanken neu

Die Fähigkeit ... die Realität zu akzeptieren

Akzeptiere die Realität, bleibe optimistisch und hoffnungsvoll

Exkurs: Kohärenzsinn (Sense of coherence, SOC) nach Aaron Antonovskys

Experimentiere und entwickle die Fähigkeit ... dein Leben realistisch und optimistisch anzugehen

Es ist eine Katastrophe, und obwohl/trotzdem ...

Das Dankbarkeitstagebuch

Optimistisch Denken in Anlehnung an die Absportionstechnik nach S. Rogers

Gelassenheit lernen

Die Fähigkeit ... sich selbst zu organisieren

Selbstmanagement lernen

Experimentiere und entwickle die Fähigkeit ... dich selbst optimal zu steuern

Zeitmanagement- und Handlungspläne entwerfen

Problemlösetraining

1. Problem beschreiben und analysieren:

2. Ziele definieren:

3. Handlungsplanung:

4. Durchführung

5. Reflexion, Bewertung und Transfer

Kontingenzmanagement

Die Fähigkeit ... seine Emotionen zu regulieren

Gefühle wahrnehmen, annehmen, ausleben und beeinflussen

Experimentiere und entwickle die Fähigkeit ... deine Gefühle zu regulieren

Sensible Selbstwahrnehmung schulen

Gefühle wertschätzen, ausdrücken und kreativ übersetzen

Abstand nehmen und Kontrolle gewinnen

Deine persönlichen «B« hinterfragen und bessere finden

Liste angenehmer Tätigkeiten

Die Reaktionen anpassen und Auslöser beeinflussen lernen

Die Fähigkeit ... sich selbst zu vertrauen

Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten haben

Experimentiere und entwickle die Fähigkeit ... dir selbst zu vertrauen

Stärken-Schwächen-Analyse

Persönliche Erfolgslinie betrachten und attribuieren

Bewusst Erfolgserfahrungen sammeln

Erfolgsgeschichten verinnerlichen

Spiegelübung

Schwierigkeiten und Probleme ins Gleichgewicht bringen

Die Fähigkeit ... sich von Problemen zu lösen

Suche Lösungen und orientiere dich bei deiner Handlungsplanung an der Zukunft

Experimentiere und entwickle die Fähigkeit … dich zukunftsorientiert von Problemen zu lösen

Refraiming

Ressourcen- statt Problemanalyse

Positive Zukunftsvision entwickeln

Die Wunderfrage

Die Fähigkeit … Sinn in seinem Leben zu sehen

Experimentiere und entwickle die Fähigkeit … dein Leben wert- und sinnvoll zu gestalten

Setze dich mit deinen Werten auseinander

Wie du es schaffen kannst, die Transformation zur Resilienz-Superheldin erfolgreich abzuschließen

Verhaltensänderung

Sinnvoll Ziele setzen

Spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminierbar sein.

Abschließende Tipps, wie du das, was du theoretisch lesen konntest, wirksam und langfristig in die Praxis umsetzen kannst

Mache dir permanent deine Ressourcen und Stärken bewusst!

Zu guter Letzt noch einige Literaturtipps für Heldinnen

 

 

 

»... though nothing will drive them away
we can beat them, just for one day
we can be heroes ...
... we could steal time,
just for one day
we can be heroes, for ever and ever
what d'you say?«
(Heros – David Bowie)

 

Mister Bowie mag verzeihen, dass sein wundervolles Lied posthum etwas aus dem Kontext herausgenommen wird, wobei es seine Semantik darüber nicht zwangsläufig verliert:

 

... nichts wird sie verschwinden lassen,
aber wir können sie besiegen
und Helden sein.
Wir können uns Zeit stehlen,
nur für einen Tag,
und dann Helden sein – für immer.
Was sagst du dazu?

 

Heldin des Alltags werden - sieben heldenhafte Fähigkeiten der Resilienz

 

Im Volksmund bezeichnen Helden Menschen, die große Taten vollbringen, übermenschliches leisten und sich durch eine bestimmte Kraft oder Fähigkeit auszeichnen. Diese wiederum ist ihnen wahlweise von Geburt an zu eigen, oder aber sie haben sie infolge eines Unfalls erworben beziehungsweise wurden Opfer von Experimenten dritter, die sie gestärkt haben hervorgehen lassen. Diese besondere Fähigkeit nutzen Helden, um die Welt ein Stück weit besser zu machen, anderen zu helfen und das Böse zu bekämpfen. So oder so ähnlich lässt sich wohl jedes Heldenepos zusammenfassen – von der altgriechischen Mythologie bis in die Moderne von Marvel.

 

Der Titel des Buches, welches du gerade in den Händen hältst, beinhaltet aber nicht nur das Wort »Heldin«, sondern auch den Begriff der »Resilienz«. Und beide lassen sich hervorragend in Einklang bringen, wenn du den oben angerissenen Epos auf das Leben und die Resilienz, die psychische Widerstandsfähigkeit, überträgst:

 

Resilienz ist eine besondere Kraft, die Menschen innewohnt. Manche von ihnen haben sie scheinbar von Geburt an, andere hingegen werden sich ihrer erst im Angesicht von schweren Schicksalsschlägen bewusst. Wieder andere brauchen einige Experimente, mittels derer sie ihre Fähigkeit aus- oder weiterbilden können ... Wie sie letztlich erworben oder entdeckt wurde, ist ohnehin einerlei: Die Fähigkeit, sich Herausforderungen im Leben stellen und sie positiv überwinden zu können, macht jeden zu seinem persönlichen Helden des Alltags.

 

Auch du siehst dich tagtäglich großen und kleinen Herausforderungen gegenüber: Bösewichten in Form von kräftezehrenden Menschen, dysfunktionalen Denkweisen, gesellschaftlichen Konventionen, schlechten Angewohnheiten; du bist tagtäglich Katastrophen ausgesetzt in Form von Erziehungsaufgaben, hohen Anforderungen im Job, finanziellen Sorgen oder unerfüllter Sinnsuche ... All das und mehr gehört zum Leben einer Frau im 21. Jahrhundert. All das und mehr müssen Frauen täglich leisten.

 

Vielleicht hast du dir in der ein oder anderen Minute auch schon einmal eine besondere Fähigkeit, eine Superkraft, gewünscht, die dir das Leben leichter macht? Die Fähigkeit, alles in zigfacher Geschwindigkeit erledigen zu können? Telekinese oder Telepathie? Maßlos gesteigerte Vigilanz ohne Ermüdung? Den Röntgenblick? Bärenkraft? Mit Sicherheit hast du dich jedes Mal schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und derartige Fähigkeiten als unrealistisch und unerreichbar abgetan. Womit du offenbar aber nicht aufgehört hast, ist dich mit Möglichkeiten auseinanderzusetzen, die dir helfen können, mit den alltäglichen Herausforderungen besser zurechtzukommen, souveräner mit ihnen umzugehen und gestärkter aus ihnen hervorzugehen ...

 

Offensichtlich hast du erkannt, dass du die Herausforderungen im Leben nicht verschwinden lassen kannst, es aber dennoch eine Möglichkeit gibt, sie zu besiegen!

 

Es gibt diese eine besondere Fähigkeit, die sog. Resilienz, die dir helfen kann. Das Lesen des vorliegenden Ratgebers stiehlt dir etwas Zeit, die eine Investition darstellt für deine persönliche Entwicklung zur Heldin. Das Buch ist zweifelsfrei kein düsteres Labor, kein fremder Planet, keine atomare Explosion oder Teil einer Institution, die die Weltherrschaft an sich reißen möchte. Wohl aber ist der Ratgeber eine Art Versuchsanleitung für Gedanken- und Verhaltensexperimente, auf die du dich einlassen kannst, um sukzessive deine persönliche Resilienz aus- oder weiterzubilden. So kannst du dich auf ganz natürliche und gesunde Weise entwickeln ...

... und Heldin werden – für einen Tag. Heldin für einen Tag nach dem anderen. Kurzum: eine Heldin des Alltags. Für immer.


Was sagst du dazu?

 

Etwas Theorie zum Einstieg und besseren Verständnis von Resilienz

 

Um dich zur Heldin entwickeln zu können, bedarf es eines gewissen Rahmens. Daher ist es unerlässlich, dich mit etwas Theorie zum Thema auseinanderzusetzen, ehe du in praktische Übungen und Gedankenexperimente einsteigst. Es ist wichtig, dass du für dich verstehst, was Resilienz im Alltag bedeuten kann und vor allem, warum sie so wichtig ist. Dies erreichst du, wenn du dich neben dem Konzept der psychischen Widerstandsfähigkeit auch mit Theorien zum Stress auseinandersetzt. Auf diese Weise kannst du die Zusammenhänge erkennen und darüber automatisch die Stellschrauben, an denen du ansetzen kannst. Also deine Möglichkeiten, deine persönlichen Heldentaten zu vollbringen.

 

Resilienz – was ist damit gemeint?

 

Zunächst ist interessant für dich zu wissen, dass der Begriff »Resilienz« ursprünglich aus der Physik kommt – die Parallelen zu Experimenten und Laboren, in denen Superkräfte gezüchtet werden, tauchen immer wieder auf. Im Zusammenhang mit dem Umgang mit verschiedenen Materialien bedeutet Resilienz nichts anderes, als dass Stoffe nach äußeren Einflüssen, nach Störungen, wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückkehren können. In andere Sprachen übersetzt, bedeutet »resilire« (lat.) beispielsweise »abprallen«; »resilience« (engl.) bedeutet unter anderem »Widerstandsfähigkeit«.

 

Für psychologische Themen adaptiert wurde der Begriff in den 1950er-Jahren. In seinen Ursprüngen bezog er sich vornehmlich darauf, wie Kinder und Jugendliche es schaffen, sich ohne Auffälligkeiten zu entwickeln, wenn sie in kritischen Lebensumständen aufwachsen oder schon früh Krisen durchleben mussten. Im Laufe der Jahrzehnte jedoch, wurde der Begriff der Resilienz, der psychischen Widerstandsfähigkeit, viel weiter gefasst und auf Menschen jeden Alters bezogen. Per Definition bedeutet Resilienz, dass Menschen in der Lage sind, Krisen und Herausforderungen im Leben zu meistern (wahlweise durch die Nutzung von persönlichen, aber auch unter Rückgriff auf soziale oder materielle Ressourcen). Darüber hinaus kann Resilienz beinhalten, dass Menschen aus solch überstandenen Krisen gestärkt hervorgehen, sie also als Anlass zur persönlichen Entwicklung nutzen.

 

Lange Zeit war die Psychologie geprägt von einer recht einseitig verzerrten Sichtweise auf Probleme und Schwierigkeiten. Gefragt wurde danach, was Menschen krank macht. Mit der Einführung des Konzeptes zur Resilienz und auch verwandten Theorien zur Stressbewältigung oder Gesundheitsentstehung, wurde ein weiterer Beitrag dazu geleistet, dass der Blick verstärkt auf Ressourcen und Lösungen gelegt wurde. Die Fragen in Therapie, Coaching und Forschung sind also nicht mehr ausschließlich darauf gerichtet, was Schlechtes passieren muss, damit Menschen krank werden, sondern vielmehr darauf, welche positiven Eigenschaften Menschen in sich tragen, wenn sie sich in Krisen nicht unterkriegen lassen und sie überwinden.

 

Wie wirkt Resilienz?

 

Die Psychologin Isabella Helmreich und der Psychiater Prof. Dr. med. Klaus Lieb haben in der Gestalt eines Baumes, der sich Stürmen erfolgreich widersetzen kann, eine wunderbare Analogie geschaffen, mittels derer die wesentlichen Wirkmechanismen der Resilienz veranschaulicht werden können:

 

Stelle dir also einen Baum vor, der exponiert auf einem kleinen Hügel steht. Dieser ist dort allen Widrigkeiten der Witterung ausgesetzt, muss Stürme und Regen ertragen. Überlege dir, was dieser Baum braucht, um trotz dieser Schwierigkeiten stehen bleiben und weiterhin erblühen zu können?

 

Der Baum braucht feste Wurzeln, die ihn im Boden verankern ebenso wie eine starke Struktur des Stammes, die ihm die nötige Stabilität gibt. Er muss also über die Fähigkeit zur »Resistenz« verfügen.

 

Darüber hinaus muss der Baum in der Lage sein, sich nach einem heftigen Sturm wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Heißt also, dass zwar Blätter zerzausen oder Äste durchgebogen werden, sich aber wieder erholen, nachdem der Wind nachgelassen hat. Ihm muss also die Fähigkeit zur »Regeneration« innewohnen.

 

Zudem muss der Baum in der Lage sein, sich an die gegebenen Umstände auf dem Hügel anzupassen. Er muss lernen, aus welcher Richtung der Wind zumeist kommt und seine Wachstumsrichtung entsprechend anpassen, um der Witterung so weniger Angriffsfläche zu bieten. Ihm muss somit die Fähigkeit zur »Rekonfiguration« zu eigen sein.

 

So wie der Baum auf dem Hügel können auch Menschen über diese drei Wege zur Resilienz gelangen:

 

Sie verfügen über eine gute Konstitution, die es ihnen erlaubt, sich Widrigkeiten im Leben entgegenzustellen, resistent zu sein (positive Denkweise, stabile Beziehung, Selbstvertrauen). Darüber hinaus sind sie in der Lage, sich nach Krisen effizient zu erholen, zu regenerieren (Sport als Ausgleich zum Stress im Job; Meditation im Umgang mit vielen zu erledigenden Aufgaben). Zudem verstehen sie es, sich nach erfolgreich überstandener Krise, sowohl im Denken als auch im Handeln, an die gegebenen Umstände anzupassen, sich neu zu konfigurieren (nach dem Ende einer langjährigen Beziehung nicht mehr in Abhängigkeit von einem Mann zu leben, sondern sich eigenverantwortlich um wichtige Belange kümmern).

 

Wie entsteht Resilienz

 

Die Frage, die Forscher am meisten interessiert, ist wohl jene, warum manche Menschen besser mit Widrigkeiten im Leben umgehen können als andere. Warum beispielsweise stellt der Antritt eines neuen Jobs für manche eine willkommene Abwechslung und für andere eine schier unüberwindbare Herausforderung dar? Warum kommen manche nahezu stressfrei durch den Alltag mit drei Kindern und Job, wohingegen andere schon mit einem Kind im Mutterschutz gefühlsmäßig überfordert sind? Warum sind einige resistenter als andere?

 

Wie bereits erwähnt, war die ursprüngliche Frage der Forschung zum Thema diejenige, warum Kinder sich angesichts schwerer Lebensumstände völlig unbeschadet entwickeln können. Eine der ersten und bekanntesten, von Emmy Werner und Ruth Smith, durchgeführten Langzeitstudien startete 1955 und begleitete fast 700 hawaiianische Mädchen und Jungen bis zu ihrem 40. Lebensjahr. In regelmäßigen Abständen fanden Befragungen statt, um die Entwicklung der Probanden zu verfolgen. Circa ein Drittel von ihnen wuchs unter teils traumatischen Bedingungen auf: Sie erlebten Gewalt, Vernachlässigung, Hunger; ihre Eltern waren suchtkrank oder psychisch krank. Zwei Drittel eben dieser Kinder und Jugendlichen zeigten als Erwachsene dieselben Verhaltensweisen und fanden sich in sehr ähnlichen Lebensumständen wieder: Sie tranken, konsumierten Drogen, lebten in Armut, waren verhaltensauffällig, krank oder delinquent. Aber eben nicht alle von ihnen. Ein Drittel schaffte es trotz dieser sehr belastenden Umstände, sich »normal« zu entwickeln hin zu einem gesunden, erfolgreichen und zufriedenstellenden Leben in friedlicher und funktionaler Partizipation an gesellschaftlichen Strukturen.

 

Auf Basis dieser und anderer vergleichbarer Forschungsergebnisse (z. B. die Kauai-Studie) konnten einige Fragen zur Entwicklung von Resilienz geklärt werden:

 

 

Derzeit läuft unter der Leitung des Neurowissenschaftlers Raffael Kalisch das Mainzer Resilienzprojekt, eine Langzeitstudie des Deutschen Resilienz-Zentrums. Über einen Zeitraum von siebeneinhalb Jahren werden hier in eineinhalbjährigen Abständen junge Menschen befragt und neurowissenschaftlich untersucht, die sich gerade in Situationen des Umbruchs befinden; in Übergangs- und somit herausfordernden Phasen des Lebens (Übergang Schule/Ausbildung/Studium/Beruf). Erfasst werden sollen die erfahrenen psychischen Belastungen und insbesondere die Reaktion der Probanden auf eben diese. Mittlerweile sind einige vorsichtige Annahmen aus den bisher gesammelten Ergebnissen ableitbar:

 

 

Trotz aller bisher erfolgter Studien und Arbeiten zum Thema, befindet sich die Resilienzforschung nach wie vor in den Kinderschuhen. Entsprechend können noch kaum allgemeingültig Patentrezepte dafür ausgestellt werden, die ein resilientes Leben garantieren.

 

Welche Fähigkeiten können dich zur »Resilience Woman« machen?

 

Resilienz als übergeordneter Begriff fasst eine Vielzahl unterschiedlicher Fähigkeiten, die es leisten, dass Menschen sich, analog zum Baum, gegen Krisen im Leben durchsetzen können. Diese können grob in die Kategorien »persönlich«, »sozial« und »kognitiv-affektiv« eingeteilt werden. Ein persönlicher Schutzfaktor gegen Krisen stellt beispielsweise eine gute Gesundheit. Soziale Protektivfaktoren sind positive und stabile Beziehungen; kognitive und affektive Resilienzfaktoren sind beispielsweise eine gute Intelligenz, eine realistische Selbsteinschätzung oder ein positives Selbstwertgefühl.

 

Auch zu der Frage, welche Faktoren es letztlich sind, die Resilienz maßgeblich ausmachen, wurde eine Vielzahl von Studien durchgeführt. Bengel und Lyssenko haben 2012 etliche der bis dato vorliegenden Forschungsergebnisse verglichen und als Ergebnis dieser Metaanalyse einige Schutzfaktoren zusammengefasst, die Resilienz besonders gut beschreiben und abbilden, was sie letztlich ausmacht. Darunter fallen »soziale Unterstützung«, »Optimismus«, »Hoffnung«, »positive Emotionen« sowie »Selbstwirksamkeitserwartung«. Aber auch andere Facetten der Resilienz, die nicht einheitlich nachgewiesen werden konnten, scheinen laut den Autoren einen wesentlichen Einfluss darauf zu haben, wie resilient eine Person ist. So spielen unter anderen auch »Kontrollüberzeugungen« eine Rolle, also inwieweit ein Mensch sich selbst die Verantwortung für und die Kontrolle über sein Leben zuschreibt; vorhandene »Stressbewältigungsstrategien«; das eigene »Selbstwertgefühl«; ein »«Gefühl von Kohärenz«, also inwieweit ein Mensch sein Leben als nachvollziehbar, kontrollierbar und sinnhaft erlebt; aber auch »Religiosität« und »Spiritualität« können eine Rolle spielen.

 

Mittlerweile existiert ein relativ einstimmiges Verständnis davon, welche Faktoren es letztlich sind, die Resilienz bei einem Menschen ausmachen. Dennoch gibt es, je nach Autor und Anwendungsbereich, kleinere Unterschiede dahingehend, welche der oben genannten Faktoren herangezogen werden. Der vorliegende Ratgeber möchte einen möglichst guten Beitrag zur Entwicklung deiner persönlichen Resilienzkräfte leisten, weshalb er sich an denjenigen Fähigkeiten orientieren möchte, die wissenschaftlich am besten belegt sind.

 

Das, was dich zu einer resilienteren Frau und somit zur Heldin deines Alltags werden lässt, ist ...

 

die Fähigkeit ...

 

... dir Hilfe zu suchen, wenn du jemanden an deiner Seite brauchst

... die Realität zu akzeptieren und darüber hoffnungsvoll und optimistisch zu bleiben

... dich selbst gut zu organisieren und Kontrolle über dein Handeln zu behalten

... deine Emotionen bewusst zu steuern und authentisch auszuleben

... dir selbst und in deine Fähigkeiten zu vertrauen

... dich vom Fokus auf Probleme loszusagen und nach Lösungen für die Zukunft zu suchen

... dein Leben sinnhaft und nach deinen persönlichen Werten zu gestalten

 

 

Im zweiten Kapitel des Ratgebers folgt eine genaue Beschreibung dieser Fähigkeiten, ebenso wie einige konkrete Übungen, wie du sie in Zukunft für dich entwickeln oder weiter ausbilden kannst. Um eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, wie resiliente Superkräfte im Alltag wirken können, bekommst du zudem einige Heldengeschichten erzählt – Geschichten von »ganz normalen« Frauen, die ihren Alltag trotz oder gerade aufgrund von Herausforderungen im Leben für sich hervorragend meistern. Am Beispiel anderer fällt es dir vermutlich leichter, eine Idee davon zu entwickeln, wie du resilienter werden und die einzelnen Fähigkeiten in deinem Leben verankern kannst.

 

Besonderheiten der weiblichen Resilienz

 

Von anderen zu lesen erscheint auch deshalb hilfreich, weil die weibliche Resilienz besonders ist. Ulrich Bröcklig, ein Kultursoziologe, untersuchte explizit die Unterschiede in der psychischen Widerstandsfähigkeit, die sich aufgrund unseres Geschlechts ergeben:

 

Ob wir nun Mann oder Frau sind, hat keinen direkten Einfluss darauf, ob und wie resilient wir sind. Das Geschlecht eines Menschen stellt jedoch eine »Moderatorvariable« dar. In der Psychologie bedeutet das, dass die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht beeinflusst, wie intensiv andere Schutzfaktoren der Resilienz wirken. Zudem zeichnet sich ab, dass Frauen über andere Ressourcen verfügen als beispielsweise Männer, und diese sich wiederum – in gewissen Situationen und Lebensabschnitten – jeweils anders auf die Resilienz auswirken. So sind Mädchen beispielsweise in ihrem Charakter eher umgänglich, was sie sozialverträglicher macht als Jungen; auch verfügen sie tendenziell über ein höheres Selbstwertgefühl und sind eher in der Lage, sich selbst zu strukturieren. Allesamt förderliche Fähigkeiten und Eigenschaften, wenn es um Widerstandsfähigkeit geht. Im Verlauf des Lebens hingegen, entwickeln Frauen häufig – wie im kurzen Exkurs zu affektiven Störungen umrissen – eher Eigenschaften und Verhaltensweisen, die sie weniger widerstandsfähig und labil werden lassen.

 

Einen interessanten Fakt in diesem Kontext solltest du dir nicht entgehen lassen (und er gilt für beide Geschlechter): Resilient sind insbesondere Menschen, die sich geschlechtsuntypisch verhalten – also nicht den gängigen Stereotypen und Rollenbildern folgen. Denn, so scheint es zumindest, gerade diejenigen, die aus Rollen ausbrechen und sich von Regeln in gewissem Ausmaß lossagen, können freier agieren und entsprechend auch flexibler auf Probleme reagieren. Und gerade das ist eine Kompetenz, die beim Umgang mit Stress (darüber kannst du gleich mehr lesen) von Bedeutung ist.

 

In diesem Sinne – wer auch immer der Schöpfer des Spruches ist – mag die Devise gelten: Sei Pippi, nicht Annika! Sei mutig ... sei Heldin. Um dies zu leisten, erscheint aber dennoch sinnvoll, dir einige kritische Stimmen zum Thema durchzulesen. Denn manchmal geht es bei erfolgreicher Alltagsgestaltung nicht nur darum, die Möglichkeiten in etwas zu sehen, sich frei und wild ins Leben zu stürzen, sondern ebenso dessen Grenzen wahrzunehmen und vor allem zu akzeptieren:

 

Kritik und Grenzen von Resilienz

 

Das Konzept der Resilienz ist sehr wertvoll und bietet einen Vielzahl an Möglichkeit. Leider ergibt sich aus eben dieser Heterogenität die Schwierigkeit, das Konzept klar zu begrenzen und zu definieren. Was Resilienz ausmacht, ist ebenso vielschichtig und multikausal, wie deren Entstehungsbedingungen.