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Sternchen, Raute: Elemente des Pop bei Rainald Goetz


Sternchen, Raute: Elemente des Pop bei Rainald Goetz


1. Auflage

von: Kristin Steenbock

19,99 €

Verlag: Bachelor + Master Publishing
Format: PDF
Veröffentl.: 01.02.2015
ISBN/EAN: 9783958207356
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 74

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Die Popliteratur ist tot. Lang lebe die Popliteratur! Was ist eigentlich Popliteratur und wer entscheidet, was dazugehört?
In einer analytischen und verständlichen Untersuchung geht es in dieser Arbeit darum, den Nachweis zu erbringen, dass die Popliteratur entgegen der Annahmen von Wissenschaft und Feuilleton noch lange nicht tot ist und ihrem Wesen nach auch nicht sterben kann. Mit einer trennscharfen Begrifflichkeit und anschaulichen Beispielen wird der neuere Werkteil von Rainald Goetz, der in den 1990er Jahren als Übervater deutscher Popliteratur galt, dazu herangezogen, das Wesen der Popliteratur zu erforschen und endlich die Kriterien zu formulieren, mit denen entscheidbar ist, wann und was Popliteratur ist. Ein wichtiger Beitrag zur gerade florierenden Popforschung mit aktuellen Beispielen und auf der Höhe der Zeit.
Die Popliteratur ist tot. Lang lebe die Popliteratur! Was ist eigentlich Popliteratur und wer entscheidet, was dazugehört?
In einer analytischen und verständlichen Untersuchung geht es in dieser Arbeit darum, den Nachweis zu erbringen, dass die Popliteratur entgegen der Annahmen von Wissenschaft und Feuilleton noch lange nicht tot ist und ...
Kristin Steenbock, geboren 1986, studierte Germanistik und Philosophie in Kiel und Hamburg. Sie lebt in Hamburg und arbeitet derzeit an ihrer Dissertation zur Popliteratur in deutschen Zeitgeistmagazinen der 1980er und 1990er Jahre.
Kapitel 2.3.2, Bestandteile eines Popphänomens:
Neben der politischen Aufladung und der ästhetisch-kulturellen Bewertung von Pop steht immer noch, wie bereits gezeigt wurde, die Definitionsfrage zur Diskussion. Im Folgenden soll die Pop-Bestimmung von Thomas Hecken, wie er sie in seinem Essay Pop-Konzepte der Gegenwart vorschlägt, zur Grundlage der weiteren Arbeit herangezogen werden. Diese Bestimmung dient also im Folgenden dazu, einen eminenten und bereits erprobten Begriff von Pop und in einer hier vorgenommenen Ableitung auch von Popliteratur als Textsorte zu benutzen, um eine analytische Basis für die Klassifikation des Goetzschen Werks zu erlangen.
Hecken führt sieben Bestandteile einer Pop-Auffassung an, die unerlässlich scheinen, um das Phänomen Pop zu bestimmen.
Dazu zählen Oberflächlichkeit, Funktionalismus, Konsumismus, Äußerlichkeit, Immanenz, Künstlichkeit und Stilverbund, die nun einer kurzen Erläuterung bedürfen.
OBERFLÄCHLICHKEIT. Im Zuge der gesellschaftlichen Etablierung von Pop spielt ab den 1950er Jahren die Umwertung von Oberflächlichkeit eine entscheidende Rolle. Die vormalige Verurteilung der Oberflächlichkeit speist sich dabei primär aus drei historischen Quellen. Erstens ist die Abwertung von Wechsel und Flüchtigkeit der Erscheinungen eine genuin platonische. Platons Ideenlehre legt nahe, dass die hinter den Erscheinungen liegenden Ideen die eigentliche Gewissheit gegenüber den körperlich empfundenen Eindrücken sind. Während diese Erscheinungen oftmals trügerische sind, so ist die Erkenntnis jener Ideen die der Wahrheit entsprechende. So spricht Sokrates kurz vor seinem Tod mit Simmias:
Wann also trifft die Seele die Wahrheit? Denn wenn sie mit dem Leibe versucht, etwas zu betrachten, dann offenbar wird sie von diesem hintergangen. – Richtig. – Wird also nicht in dem Denken, wenn irgendwo, ihr etwas von dem Seienden offenbar? – Ja. – Und sie denkt offenbar am besten, wenn nichts von diesem sie trübt, weder Gehör noch Gesicht noch Schmerz und Lust, sondern sie am meisten ganz für sich ist, den Leib gehen läßt und soviel irgend möglich ohne Gemeinschaft und Verkehr mit ihm dem Seienden nachgeht.
Um die Wahrheit zu erkennen, ist es nach Platon also von Nöten die Oberflächlichkeit der leiblich wahrgenommenen Eindrücke zu ignorieren, um sich im Geiste gänzlich den Ideen anzunähern. Zweitens hat die Abwertung von Oberfläche eine lange christlich-religiöse Tradition. Die Entwertung der gegebenen Welt rührt von der Auffassung her, dass äußere Güter und diesseitiger Erfolg dem Schein nach täuschen können und nichts über die inneren, gottgefälligen Werte aussagen. Drittens ist die moderne Ablehnung einer dekorativen Oberfläche auch eine säkulare Version dieser Ansicht. Die funktionsfolgende, nüchterne Form ersetzt hier die kontingenten Verzierungen des Objekts. Pop setzt dem die unnütze Auffälligkeit der Oberfläche ihrer Objekte entgegen. Dennoch ist Pop der modernen, asketischen Auffassung ›weniger ist mehr‹ nicht vollkommen untreu. Die Oberflächen des Pop sind vorzugsweise geschlossen, selten verläuft oder vermischt sich etwas. In der Pop-Werbung wie in der Pop-Art sind die Farben nicht nur bunt, sondern vor allem unmoduliert und weisen harte Grenzen zueinander auf.
Für die Literatur bedeutet dies vor allem die Preisgabe des im klassischen Sinne Poetischen, das uneigentliche Sprechen durch rhetorische Figuren sowie der klassische Aufbau von Dramen durch das aristotelische Vorbild, von Romanen und Erzählungen durch Einleitung, Spannung und Endung, von Lyrik durch Metrik und Reim. Strukturell wird in der Popliteratur vielmehr auf Schnelligkeit, Diskontinuität und Fluktuation gesetzt.
FUNKTIONALISMUS. Unter Funktionalismus versteht Hecken die von den Popphänomenen ausgehende Vitalisierung ihrer Nutzer. Insofern hat Pop immer auch eine Funktion:
Pop ist zwar moralisch weitgehend desinteressiert, tritt aber nicht mit dem Anspruch ästhetischer Interesselosigkeit auf. Es gibt hier mehr als einen Zweck: für Belebung sorgen, angenehm erregen, den Körper in Bewegung setzen, Attraktivität erhöhen und eine nette, heitere Stimmung oder eine coole Haltung bewirken.
Somit treten Form und Funktion von Pop-Gegenständen auf der einen Seite auseinander, indem ihre Form im Sinne der Oberfläche weitgehend funktionslos im Gegensatz zum Gebrauchswert bleibt. Auf der anderen Seite folgt aus der Ästhetik der Oberfläche doch immer schon eine Funktionalität. Die poppige Oberfläche soll ›knallen‹ und beleben. Dies geschieht in der Popliteratur zum einen durch einen dem Pop-Habitus angepassten Sprachgebrauch und andererseits durch die Einbeziehung von Popmusik, die zu einem ganz spezifischen Sound der Texte führt.

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